Das Jakob-Andreä-Haus in der Alten Rommelhauser Str. 18

Das Jakob-Andreä-Haus ist zugleich Gemeindezentrum der Michaelskirchengemeinde und zentrales Veranstaltungsgebäude des evangelischen Kirchenbezirks. Mutter-Kindgruppen, Jugendgruppen von CVJM und Pfadfindern, Konfirmanden, Gesprächskreise, Chöre, Seniorennachmittag - alle Generationen bevölkern das Haus.

Rund ums Jakob-Andreä-Haus finden sich weitere Einrichtungen von Kirchengemeinde und Kirchenbezirk: Evang. Jugendwerk, Gemeindediakonin, Kindergartenfachberatung, Kirchenpflege, Pfarrerin: alle haben auf diesem Gelände ein Büro. Das Dekanat ist nur einen Katzensprung entfernt. Der architektonische Charme des Geländes hält sich in Grenzen. In den 70er-Jahren war Sichtbeton eben ein sehr beliebter Baustoff.
Der Namensgeber jedoch lebte zu einer Zeit, zu der solche Bauleistungen noch undenkbar waren.

Altdekan Eberhard Gröner hat zu Jakob Andreä recherchiert:

Jakob Andreä, geb. 25.3.1528 in Waiblingen, gest. 7.1.1590 in Tübingen, Probst, Kanzler und Professor an der Universität Tübingen, entwickelte sich zu einem streng die Kirchenordnung und das landesherrliche Kirchenregiment stärkenden lutherischen Theologen. Er setzte sich auch in der Durchführung der Kirchenzucht für eine protestantische Stabilisierung ein. In den Auseinandersetzungen der Gegenreformation wurde er zu einem gesuchten theologischen Gesprächspartner, aus seiner "Schwäbischen Konkordie" wurde 1577 die Konkordienformel entwickelt.

Aus heutiger Sicht sind viele theologischen Einschätzungen von Jakob Andreä umstritten oder abzulehnen, vor allem sein Verhältnis zum Judentum. Unter ökumenischen Gesichtspunkten wären viele seiner Thesen neu zu bewerten. Die Konkordienformel ist das Ergebnis langwieriger Verhandlungen zwischen den unterschiedlichen lutherischen Lehrstreitigkeiten. (z.B. der Philippisten und Gnesiolutheraner). Sie sollte den auseinanderfallenden lutherischen Kirchen eine gemeinsame Lehrgrundlage geben.

Im Unterschied zu den Bekenntnisschriften wie dem Augsburger Bekenntnis (CA), Luthers Katechismus oder den Schmalkaldischen Artikeln ist die Konkordienformel nur das verbreitetste lutherische Partikularbekenntnis. Die aus 12 Artikeln bestehende Formel versteht sich nicht als neues, sondern als Wiederholung und Bekräftigung vorhandener Bekenntnisse. Sie zieht einen scharfen Trennungsstrich gegenüber der reformierten Kirche, besonders in der Abendmahlslehre, ebenso wie gegen das katholische Verständnis der Eucharistie.

Die Konkordienformel hat sehr zur Konsolidierung des Luthertums im konfessionellen Zeitalter während und nach dem 30jährigen Krieg beigetragen und die lutherische Orthodoxie verstärkt. Später wurde sie in vielen evangelischen Kirchen eher vergessen, z. B. in der württembergischen Landeskirche. Auch wenn in der ökumenischen Diskussion öfter die Konkordienformel als das Gesamtbekenntnis des Luthertums angesehen wird, täte man ihr mit dieser Einschätzung zu viel Ehre an.