Die Michaelskirche am Alten Postplatz 21

Besucher der Michaelskirche berichten oft, wie wohltuend sie den schönen weiten Raum mit seinen gelungenen Proportionen und seinem geheimnisvollen Licht empfinden. Am Rand der Altstadt gelegen bietet die Michaelskirche, die dienstags bis sonntags von 9-16 (Winterhalbjahr) beziehungsweise 9-18 (Sommer) offen ist, einen wohltuenden Ruheraum. Die Fotos von Taufkindern, Plakate, die vielen Einträge im Gästebuch und die Spielecke lassen erkennen, dass die Michaelskirche nicht nur ein altes, "museales" Gebäude ist, sondern dass sich bis heute ein vielfältiges Gemeindeleben in ihr abspielt.

Seit Jahrhunderten feiern die Waiblinger in der Michaelskirche Gottesdienste, Taufen, Konfirmationen und Hochzeiten. Sie wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Der Name des Erbauers von Chor und Turm ist im Innenraum links über dem Chorbogen angeschrieben: Hans von Landau. Über seinem Namen kann man das kleine Schild mit Jahreszahl und Meisterzeichen des Erbauers des Kirchenschiffes und Vollenders der Michaelskirche sehen: Peter von Lahn 149(0).

Von Lahn hat das Kirchenschiff als dreischiffige Halle gestaltet. Das Mittelschiff ist höher als die Seitenschiffe, deshalb wird das Kirchenschiff als "Staffelhalle" bezeichnet. Kirchenschiff und die Chorräume weisen unterschiedliche Netzgewölbe mit teilweise reich verzierten Schlusssteinen auf. Ihre bildlichen Darstellungen geben Einblick in die religiöse Praxis vor der Reformation. Im Mittelschiffgewölbe findet sich eine Mutter-Gottes-Darstellung mit Jesuskind und Granatapfel. Die goldenen Schriftzeichen auf dunklem Grund werden als der hebräische Gottesname "Jahwe" gelesen.

 

 

 

Der linke, nördliche Seitenchor ist dominiert von einem großen Halbrelief des Erzengels Michael. Mit der Rechten stößt er dem Drachen das Schwert in den todbringenden Rachen. Dass ihm die linke Hand fehlt, ist allerdings nicht Schuld dieses Drachen, sondern des "Zahnes der Zeit". Das Michaelsrelief hat den "Bildersturm" der Reformationszeit überdauert. Vermutlich genoss es große Verehrung. Der Name "Michaelskirche" ist allerdings erst nach 1950 eingeführt worden.

Der Holzaltartisch, der mitten unter dem Bogen des Hauptchores steht, wurde im Rahmen einer großen Kirchenrenovierung im Jahr 2000 vom Architekten E. Laichinger entworfen. Er besteht aus Elementen der neugotischen Emporenbrüstung. – Bei der Renovierung war nämlich die Empore verkleinert worden, wodurch das Kirchenschiff eine deutlich weitere Wirkung erhielt.

Die Kanzel aus dem Jahr 1484 zeigt die vier berühmten Lehrer und Prediger der christlichen Kirche des Abendlandes, jeder mit dem Symbol eines Evangelisten: Augustinus mit dem Matthäus-Engel, Gregor mit dem Lukas-Stier, Ambrosius mit dem Markus-Löwen und Hieronymus mit dem Johannes-Adler.

Die drei mittleren Fenster des Hauptchores wurden 1957 anstelle der im Krieg zerstörten Fenster von Professor Martin Domke gestalt. Das mittlere Fenster mit dem auferstanden Christus ist das Osterfenster. Es wird eingerahmt vom Weihnachtsfenster (links) und dem Passionsfenster (rechts).

 

Der Innenraum der Michaelskirche wurde den Bedürfnissen der Zeit entsprechend immer wieder verändert. Bei einer großen Renovierung 1866 wurde die Zahl der Sitzplätze stark erhöht. In die Seitenschiffe wurden Emporen mit neugotischen Brüstungen eingebaut.

Die große Orgel stammt aus dem Jahr 1971. Die Orgelbau-Firma Weigle hat beim Orgelprospekt (die "Fassade" der Orgel) Teile der Vorgängerorgel benutzt. Im Jahr 1978 wurden die Kirchenbänke entfernt und durch Stühle ersetzt.

Ursprünglich war die Michaelskirche von einem ganzen Ensemble von Gräbern und Kapellen umgeben. Die einzig erhaltene Kapelle ist das Nonnenkirchlein wenige Meter südwestlich der Michaelskirche. Das auf einem Hügelsporn über der Rems gelegene Ensemble ist mit mittelalterlichen Mauern eingefriedet. Ein Teil dieser Wehrmauern ist der "Schalenturm" im Osten der Kirche. Der Kirchenhügel hatte vermutlich seit dem frühen Mittelalter christliche Bedeutung. Es wurden Spuren von zwei Vorgängerkirchen gefunden.

Informationen über die Michaelskirche finden Sie auch hier in Wikipedia.

Die Bilder der Michaelskirche wurden uns freundlicherweise vom Zeitungsverlag Waiblingen zur Verfügung gestellt.